Drei Schüsse auf Rudi

Ostern 1968 wurde ein Mordanschlag auf Rudi Dutschke verübt. In der gesamten Bundesrepublik kam es daraufhin zu Straßenschlachten. Farockis Kurzfilm Drei Schüsse auf Rudi gilt als verloren.

"Ich arbeitete damals im Team mit Helke Sander, die etwas Geld vom finnischen Fernsehen hatte. Ostern 68 warf alle Drehpläne um. Ich schlug eine kleine Szenenfolge vor, die wir auf einer Betonfläche in der Nähe des Funkturms aufnahmen. Zunächst zeichne ich mit Kreide das Schema des Springer-Konzerns auf, mit allen verzweigten Beteiligungen, dieses Layout setzt sich in Schriftblasen fort, etwa so: "Studenten protestieren gegen den Massenmord in Vietnam; dann kommt ein Pfeil zum nächsten Kreis, in den ich schreibe: "BILD spricht von Rowdies und Rädelsführern".

So geht das fort wie ein Flußdiagramm, am Ende bleiben zwei Kreise übrig, in die ich nichts schreibe, in denen ich vielmehr meine Schuhe abstreife, und dann verlasse ich das Bild. Damit ist auf das Bild vom Samstag auf dem Kurfürstendamm angespielt: Nachdem Dutschke angeschossen worden war, blieb sein Fahrrad und blieben seine Schuhe zurück, um die die Polizei Kreidekreise zog.

(Harun Farocki)

Regie, Buch, Schnitt Harun Farocki Kamera Skip Norman Ton Ulrich Knaudt Produktion DFFB, Berlin-West Format 16mm, s/w, 1:1,37, stumm Länge 4 Min. Anmerkung Der Film gilt als verschollen