Bilderkrieg

Der Begriff "Aufklärung" trägt heute mindestens zwei Bedeutungen. Die eine steht in der philosophischen Tradition des 18. Jahrhunderts. Die andere wurde im Laufe des 20. Jahrhunderts für die militärische und polizeiliche Arbeit entwickelt. Harun Farocki geht mit seinem Filmessay Bilderkrieg der zweiten, militärpolizeilichen Bedeutung des Wortes nach.

Er stellt vor, welcher photographischen Mittel sich diese Art der Aufklärung bediente und bis heute bedient. Sein bewußt karger Film rekonstruiert die Geschichte dieser Bilderproduktion. Er berichtet von der Entwicklung des Aufnahme-Verfahrens und demonstriert überdies, wie sich die Leseweise solcher Photographien entwickelte und ihre Deutungsmöglichkeit vergrößerte. Kulminationspunkt des Filmessays sind die Luftaufnahmen, die alliierte Bomber vom Vernichtungslager Auschwitz im Jahr 1944 machten.

Farocki stellt ihnen die Bilder gegenüber, die die SS im Lager selbst anfertigen ließ. Daß der Photoapparat zur Lagerausstattung gehörte, bedeutet für ihn, daß man das Lager nicht mit diesen Bildern, die die Mörder anfertigten, zeigen darf: "Besser man gibt das Lager mit den Luftbildern aus dem Abstand von 7000 Metern wieder. " Der Film ist ein weiterer wichtiger Schritt von Harun Farocki, die Geschichte des Sehens im Zeitalter der Industrialisierung zu erfassen. Gedankliche Arbeit in konzentrierter Form, ohne Mätzchen und Beigaben.

(Dietrich Leder)

 

 

Regie, Buch Harun Farocki, unter Verwendung der Bücher Das Buch des Alfred Kantor und Femmes Algeriennes von Marc Garanger Regie-Assistenz, Recherche Michael Trabitzsch Kamera Ingo Kratisch Trickkamera Irina Hoppe Schnitt Rosa Mercedes Negativschnitt Elke Granke Ton Klaus Klingler Mischung Gerhard Jensen-Nelson Sprecherin Corinna Belz Produktion Harun Farocki Filmproduktion, Berlin-West, für WDR, Köln Produzent Harun Farocki Redaktion Werner Dütsch Format 16mm, Farbe, 1:1,37 Länge 44 Min. Erstsendung 03.12.1987, West 3